

Bilder und Berichte zu verschiedene Indianerbögen
in Reihenfolge auf dieser Seite von oben nach unten
1: Sehnenbelegter Bogen der nordamerikanischen Plainsindianer
2: Sehnenbelegter Indianerbogen aus 2009
3: Indianerbogen aus Ahorn in Propellerform
4: Indianerbogen aus Osage Orange
5: der Penobscot Doppelbogen
6: Sudbury - Indianerbogen jetzt auch als Bogenbaukurs siehe auch Rubrik Termine - Bogenbaukurse mit Walter Mehlem
ganz unten auf dieser Seite eine Karte aus dem Jahre 1650 mit Übersicht der Standorte der damaligen Indianer Stämme und Gruppen
1: Sehnenbelegter Bogen der nordamerikanischen Plainsindianer
Bogenbauseminar 2000
Neanderthal Museum Mettmann
Seminarleiter: Dr. Johann Tinnes
Hierbei handelt es sich um den Nachbau eines Bogens wie ihn die nordamerikanischen Plains - Indianer um 1800 benutzt haben. Das Holz der Bögen ist "Hickory" - ein nordamerikanischer Haselnussbaum. Mit Knochenleim als Kleber wurden an der Vorderseite Tiersehnen aufgebracht. Die eigentliche Bogensehne wurde entsprechend der jeweiligen Zugkraft aus bis zu 18 Strängen - hier Leinengarn - auch selbst hergestellt. Die Farben zum bemalen der Bögen bestanden ebenfalls aus natürlichen Extrakten. Das dazugehörige Muster - Design - wurde größtenteils von den Teilnehmern originalgetreu nachvollzogen. Ein paar Pfeile wurden gegen ende des Seminares auch noch angefertigt. Hier wurden extra Pfeilspitzen aus Feuerstein geschlagen. Fixiert wurden die Feuersteinspitzen mit Birkenpech und abschließend mit einer Sehne befestigt.
Bild oben: unsere sehnenbelegte Indianerbogen - Zugkraft von 45 lbs und 32 lbs.

Am Neanderthalmuseum in Mettmann

oben: Raspelarbeiten am Rohling - unten: eigene Bogen von J. Tinnes

Bild oben: einige Beispiele von Johann Tinnes
oben: erstes tillern eines Bogen unten: weitere Raspelarbeiten
oben / unten: hier werden die Bogenenden gekocht um den Recurve somit vorzubereiten
oben: die eingespannten Bogenenden als Recurve müßen nach dem erhitzen bis zu einer Woche anschließend trocknen. Einer der Gründe warum der Workshop auch über zwei Wochenenden stattfindet.


oben: indianischer Bogen & Pfeilköcher von J. Tinnes

oben: Befiederung einiger Pfeile

oben - unten: aufbringen von Rindersehnen mit Knochenleim (Backing)
oben: nach dem trocknen des Sehnenbackings muß das überstehende Material abgeschliffen werden.

oben: ein fertig getillerter Indianerbogen

oben: letzte Schleifarbeiten - auch mit Schachtelhalm
oben - unten: Bemalung mit Naturfarben im traditionellen oder eigenem Stil.

oben: unsere fertig bemalten Bogen

oben: in der Steinzeitwerkstatt

oben: J. Tinnes zeigt wie es gemacht wird - Abschläge aus Feuerstein zur Herstellung von Pfeilspitzen
oben: eine fertige Pfeilspitze


oben - unten: die fertigen Indianerbogen


oben: letztes Foto mit den Teilnehmern

Bogen und Pfeileköcher von W. Mehlem
2: Sehnenbelegter Indianerbogen Eigenbau Februar 2009
Sehnenbelegter Recurve - Indianerbogen Februar 2009 – eigenes Projekt mit einigen Problemen.
Holz: Hickory; Bauch und Rücken - flach Länge: 1,51m; Wurfarme breiteste Stelle: 38mm, Wurfarmende mit Recurve: 17 mm; Griff: 29mm breit - 27mm tief. Backing : Beinsehnen von Hirsch und Damwild; Leim – Gelatine Zugkraft: ca. 50 lbs.
Hierbei handelt es sich ebenfalls um den Nachbau eines mit Sehnen belegten Recurve Bogens wie ihn die nordamerikanischen Plains - Indianer um 1800 benutzt haben. Auch wurde hierfür wieder Hickory verwendet. Erstes tillern des Rohlings lies nichts gutes ahnen. Ein mir bis dahin noch nicht vorgekommenes Problem stellte sich ein. Die Wurfarmenden verdrehten sich gegeneinander, aber erst beim aufspannen auf dem Tillerbrett. So richtig bekam ich das auch nicht geändert und beschloss weiter zu arbeiten mit dem Gedanken, wenn es nichts wird kann der Bogen immer noch mit in die Ausstellung. Dann wurden die Wurfarme gekocht und für den Recurve eingespannt. Nach zwei Wochen sollte der Bogen dann mit Sehnen belegt werden. Beinsehnen von Hirsch und Damwild hatte ich schon einige Wochen vorher aus etlichen Beinen dieser Tiere herausgeschnitten und getrocknet. Als Kleber wurde Gelatinepulver (Apotheke) in lauwarmen Wasser angerührt. Das aufbringen der Sehnen erfolgte immer vom Griff bis über die Wurfarmenden hinaus. Die Reihen links und rechts davon immer im Stoß versetzt. Die jeweiligen schwachen Seiten der Wurfarme welche sich immer verdreht hatten, erhielten einen extra Strang an Sehnen. Nach ein bis zwei Tagen war der Kleber trocken. Erstes aufspannen zeigte das die Enden sich immer noch verdrehten, aber jetzt nicht mehr so stark. Durch den Sehnenbelag hatte der Bogen jetzt auch über 60 Pfund Zugkraft. Ein tillern bis etwas unter 50 Pfund erfolgte. Dabei wurde auch an den steifen Seiten der Wurfarme immer wieder noch etwas extra Holz abgezogen. Jetzt erst verdrehten sich die Wurfarmenden kaum noch. Sehr skeptisch das der Bogen überhaupt hält, wurde kurzerhand eine ausgiebigen Schussprüfung durchgeführt. Das krumme Ding überraschte mich mit einer unerwarteten Dynamic und übertraf die kühnsten Erwartungen. Sicher ist der Bogen nicht perfekt und ich selbst bin gespannt wie lange er überhaupt lebt.

links - Ahornbogen; rechts - Hickory mit Backing Bogenenden - optional

kochen der Bogenenden eingespannter Hickorybogen

anrauhen des Bogenrücken für die Verklebung oben: Beinsehnen

Hirsch, Reh und Damwildsehnen oben: Gelatinekleber im Warmwasserbad

oben: erste Reihe der Sehnen oben: fertig getillerter Indianerbogen

oben - unten: Ansichten und Details

3: Indianerbogen aus Ahorn in Propellerform Januar 2009
Holz: Feldahorn – gefällt Febr. 2008 Bauch - leicht abgerundet, Rücken – flach. Länge: 1,48m; Wurfarme breiteste Stelle: 49mm, Wurfarmende: 23mm; Griff: 22mm breit - 28mm tief. Zugkraft: ca. 45 – 47 lbs.
Es sollte ein überdimensionierter, nahe dem Meare Heath (kommt noch in diesem Jahr)Bogen werden. Der Rohling stammt aus einem Baum mit ca. 1m Durchmesser und war erst 10 Monate gelagert. Der überdimensionierte Bogen wurde auch fertig und war 1,78m lang und mit Wurfarme bis 7cm breite. Ein kleiner Fehler im Holz tauchte erst am ende der Arbeiten an einem Wurfarmende auf. Befürchtungen das dieser Fehler zum Bruch führen kann bewahrheiteten sich bereits nach dem sechsten Schuss mit diesem Bogen (sh. Bild unten). Aus dem Rest wurde dann der jetzige Bogen aus der vorhandenen Propellerform problemlos herausgearbeitet. Resultat - ein wunderbarer Bogen mit einer hervorragender Leistung aus einem Baum welcher erst im Februar 2008 gefällt wurde.

oben: der Ahornrohling oben: überdimensionierter Bogen - roh

oben: tillern des überdimensionierten Ahornbogen
links unten: der fertige Bogen mit einer länge von 1,78 m und 50 lbs Zugkraft
oben: kein Tillerfehler sondern ein Fehler im Holz verursachten einen Bruch links - das abgebrochene Ende, rechts - das abgesägte Ende.

einige Bilder des propellerförmigen Indianerbogen hergestellt aus Ahorn
rechts oben: der Rest vom Ahorn steht vor dem Museum Monrepos

4: Osage Orange Indianerbogen Juni 2009
Für die die es genauer wissen möchten, hier die Abmessungen und Details zum Bogen.
Der Bogen besitzt eine Zugkraft von 42 lbs. Bogenlänge gemessen ab Sehnenkerbe 1,44 m; Bogen gesamtlänge 1,50 m. Wurfarme an der breitesten Stelle: 48,6 mm breit; 15,1 mm dick. Griffverlauf abgerundet: 30 mm breit; 31 mm tief. Wurfarmende an der Sehnenkerbe: 19,6 mm breit; 9 mm dick. Die Tips sind 30 mm lang.

oben und unten: vorbereiten des Rohlings, zwei Jahre gelagert.


zwischendurch musste der Rohling noch gedämpft werden da er nicht in der Flucht war. Bilder vom dämpfen gibt es leider nicht.


links: Wurfarmende Detailansicht rechts: Ansicht kompletter Wurfarm

oben: gespannter Osage Bogen, Zugkraft 42 lbs.

oben: verschiedene Ansichten der Bauchseite

Besonderheiten zum Bogen: das Holz selbst lässt sich sehr gut und leicht bearbeiten. Wie auch bei meinen anderen Bögen erfolgten die Schleifarbeiten von Hand und nicht maschinell. Nach dem dämpfen war der Rohling immer noch nicht richtig gerade, also das die Bogensehne im entspannten Zustand nicht mittig über den Griff verläuft. Dennoch wurde der Rohling weiter so bearbeitet und nach dem tillern stellte sich heraus das er im gespannten Zustand jetzt gerade wird und auch die Bogensehne mittig Griff verläuft. Hervorragend sind allerdings die Schusseigenschaften. Ein überraschend weicher Auszug und eine tolle Dynamik der Wurfarme gleichen locker etwas fehlende lbs aus. Also ist sicherlich das Material " Osage Orange " bestens geeignet für Bogenschützen die nicht unbedingt große Gewichte ziehen können oder möchten. Auch wurde der Bogen bereits auf einigen Turnieren geschossen und fest steht das dies nicht mein letzter Bogen aus " Osage Orange " ist.
5: der Penobscot Doppelbogen aus Hickory
Herkunft ist Maine - im Nordosten der USA um ca. 15. / 1600 Jh.

Das ein solch außergewöhnliches Design dieser Konstruktion sofort die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich zieht, ist sicherlich garantiert und war letztendlich auch der Anlass für mich diesen Bogen einmal nachzubauen.
Besonders viel an Informationen über den Bogen und seiner Konstruktion sind leider nicht zu finden. Jedoch möchte ich hiermit versuchen die Wichtigsten Details einmal zusammen zu fassen.
Grundsätzlich geht es um die Frage „ warum eigentlich ein zusätzlicher Bogen und was soll das“. Durch die Sehnenverbindungen der Wurfarme wird der Hauptbogen durch den kleinen aufgesetzten Bogen entlastet. Der besondere Effekt liegt hier darin, dass dadurch eine höhere Zugkraft erreicht wird als es der Hauptbogen alleine bringt. Auch gibt es die Aussage dass eine solche Konstruktion mit minderwertigem Bogenholz es ermöglicht eine angemessene Zugkraft zuzuordnen um auch auf der Jagd damit erfolgreich zu sein.

oben: das Rohmaterial Hickory

oben: tillern bis auf 35 lbs

oben: starkes Stringfollow oben: kochen und dämpfen

oben: eingespannt - Recurve für den Hauptbogen - Biegung für den kleinen Bogen.


oben: Bogensehne aus gewachsten Leinengarn oben: Bogenende kleiner Bogen

oben:Beinsehnen Rothirsch für die Bogenenden-Rohhautstreifen (Rind)für den Griff

oben: Test der Rohhautwicklung oben: fertige Griffwicklung mit Rohhaut
Die Rohhaut selbst war erst nach zwei Tagen komplett getrocknet.

oben: erste Verbindung der Bogenenden mit gewachsten Leinengarnsehne, 8 Stränge

oben: der komplette Bogen erstmals auf Spannung.

oben: der untere Bogen war mein bisheriges Muster, gefertigt aus Haselnuss.

oben: der fertige Bogen mit einer Zugkraft von 40 - 45 lbs.
Für den bau der beiden Bögen wurde dann auch Hickory Hickory von mir verwendet. Für den Hauptbogen besorgte ich mir ein vierkant Rohling und für den kleinen Bogen, wie kann es anders sein, besorgte ich mir im Baumarkt wiederum einen entsprechend großen Axtstiel um kostbares Material zu sparen.
Das Profil beider Bögen ist auf der Bauchseite halbrund und der Rücken bleibt gerade. Der Hauptbogen wurde dann auf 35 lbs herunter getillert und er entwickelte starkes Stringfollow. Der kleine nur soweit das er sich auch entsprechend biegt ohne zu brechen. Da ich ja auch beabsichtigte den Hauptbogen als Recurve herzustellen wurden im Anschluss auch die Bogenenden gekocht und eingespannt. Der kleine Bogen wurde gedämpft und ebenfalls in Form gebracht.
Nach zwanzig Tagen Trockenzeit war es dann soweit im die restlichen Arbeiten an den Bögen fort zufahren. Durch den hinzu gekommenen Recurve am Hauptbogen verbesserte sich die Zugkraft von ehemals 35 auf jetzt 40 lbs. Zum Schluss der Arbeiten am Holz erfolgte dann die Fertigstellung der Sehnenkerben und der Tips.
Vorbereitet wurden jetzt die Bogensehnen aus gewachstem Leinengarn. Der Hauptbogen bekam zwölf und der kleine Bogen acht Stränge.
Für die spätere Griffumwicklung mussten Rohhautstreifen (vom Rind) eingeweicht werden.
Für bessere Stabilität an den Bogenenden erhielten diese jeweils Wicklungen aus Beinsehnen vom Rothirsch.
Erste Erfahrungen mit dem Bogen: Schußversuche zeigten das der Bogen wirklich dahin schießt wo man auch treffen möchte, also wirklich gut und brauchbar. Ein paar lbs. könnte er aber zusätzlich noch vertragen. Ungeachtet was andere Schützen über diesen Bogen berichten können, ist bei meinem Bogen sehr auffallend das beim Schuß selbst die Sehnen des kleinen Bogens gegen den großen Bogen schlagen und somit ein lautes peitschenähnliches Geräusch erzeugen. Also ich kann mir unter diesen Umständen nicht so recht vorstellen das der Bogen so zur Jagd zu gebrauchen war. Meine vermutungen gehen soweit das es sinnvoll sein könnte die Wurfarme des großen Bogens mit einer Ummantelung aus Fell zu versehen um dieses Peitschengeräusch einzudämmen. Nach ein paar Wochen bekamen dann die Wurfarme auch einen Ummantelung aus Fell um zu testen ob das Peitschengeräusch verschwindet. Danach war von dem Geräusch auch nichts mehr zu hören.

Der Bogen jetzt mit einer Fellmwicklung an den Bogenarmen verhindert das oben beschriebene Peitschengeräusch.
Hier noch einige Abmessungen zum Bogen:
Der Hauptbogen aus Hickory: Zugkraft 40 – 45 lbs je nach Einstellung des kleinen Bogens.
Profil: Bauch – halbrund, Rücken – flach, Griffpartie ohne Absatz – gleichmäßiger Verlauf in die WA.
Länge bis Sehnenkerbe 1,645 m, Tips 39 mm, Bogen Gesamtlänge ca. 1,723 m
Griff mit 11 cm Länge angesetzt, 21,9 mm breit, 18,9 mm tief.
Oberer WA 77,5 cm und Unterer WA 76 cm lang.
WA Enden ca. 18 mm breit, 9,5 mm dick
Der kleine Bogen aus Hickory:
Profil wie oben – Hauptbogen.
Länge bis Sehnenkerbe 77,5 cm, Tips 38 mm, Bogen Gesamtlänge 85 cm.
Griff 24,1 mm breit, 12,9 mm tief.
WA Enden 15,3 mm breit, 9,5 mm dick.
6: der Sudbury Indianerbogen ca. 1660 n. Chr.
Der Sudbury Bogen der Wampanoag Indianer stammt aus Massachussetts von der Ostküste der USA. Der einteilige Holzbogen aus Hickory ist 1,70 m lang, breiteste Stelle der Wurfarme 4,4 cm. Besonderes Merkmal: die Bogenarme sind auf der Rückenseite schmaler als auf der Bauchseite. Ein ungewöhnlich schneller Bogen was bei Jugendbögen sowie bei Bögen für Erwachsene auch bei Zuggewichten unterhalb 40 lbs. sehr beeindruckend ist.


oben: verschiedene Schulternocken sind möglich.



Im Bogenbaukurs sind leicht verschiedene Designs möglich. Auch variiert die Farbe bei den Hickory Rohlingen.

Hier noch eine Karte mit Übersicht der Lebensräume der verschiedenen Indianerstämme und Gruppen wie es 1650 notiert wurde.
Übrigens findet man die Penobscotgruppe auf der Karte rechts oben auf dem blauen Hintergrund.

